Apr 12 2015

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Die Besetzung der großen Städte

Abgelegt 10:40 unter Allgemein

Nach der Befreiung der Konzentrationslager richteten sich die Angriffe der vorrückenden Züge der US Army vorrangig auf die großen Städte Erfurt, Weimar, Jena und Gera. Für den 3. und 4. April 1945 hatte die Royal Air Force ein Flächenbombardement für Erfurt

unter Einsatz von 2.740 Tonnen Bombenlast vorgesehen. Der Angriff wurde dann wegen des raschen Vormarsches der US-Bodentruppen abgesagt. Am 12. April 1945 besetzten Einheiten der 3. US-Armee unter Befehl von General George S. Patton Erfurt, nach Kämpfen in der Stadt und ihrer Umgebung.

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Panzereinheiten der US-Army nach der Besetzung Erfurts in der Johannesstraße.

 Am Abend des 11. April 1945 wurde ein von Oberst Costello unterzeichnetes Ultimatum in englischer Sprache an den Stadtkommandanten von Weimar in Auftrag gegeben. Sein Wortlaut: „Die Amerikanische Armee befindet sich weiter in siegreichem Vormarsch. Ihre Stadt ist umstellt und unhaltbar. Übergeben Sie die Stadt, so werden Sie nach den Bestimmungen der Genfer Konvention behandelt.“- Falls die Übergabe nicht bis 9 Uhr am 12. April erfolge, werde die Zerstörung der Stadt durch schweres Luftbombardement und Artilleriebeschuss angedroht. 
Am Donnerstag, den 12. April 1945 erreicht der Überbringer des Ultimatums morgens um 7 Uhr die Stadt Weimar auf dem Fahrrad. Weimars Oberbürgermeister Otto Koch, der die Stadt nach der Flucht der Gauleitung vertrat, kam der amerikanischen Forderung sofort nach. 
In den Mittagsstunden rollten die ersten amerikanischen Jeeps und Panzer der 3. US-Army – 26 Tage vor Kriegsende – kampflos in die Stadt Weimar ein. Am 15. April inspizierte Patton das befreite Konzentrationslager Buchenwald. Noch am  gleichen Abend befahl er, mindestens 1000 Einwohner Weimars zur Besichtigung auf den Ettersberg zu schicken, was am 16. April geschah.
Am 13. April 1945 rückten die amerikanischen Truppen in Jena ein, ohne dass es zu Kämpfen gekommen war. Sie demontierten viele Laboranlagen der großen Betriebe und schafften sie zusammen mit wichtigen Dokumenten und Patenten in ihre Besatzungszone oder in die USA. Direkten Widerstand gegen das NS-Regime hat es in Jena nicht gegeben. Die Universität, die noch heute den Namen aus der NS-Zeit trägt, galt als Vorzeige-Universität im Dritten Reich. Der NS-Studentenbund genoss schon vor der Machtübergabe große Unterstützung und gewann bei den Studentenschaftswahlen im Januar 1933 49,3% der Stimmen, was reichsweit das zweitbeste Ergebnis darstellt.  Unter dem Rektor Karl Astel wurde unter anderem ein Institut für menschliche Erbforschung und Rassenpolitik eingerichtet. Unter seinem Rektorat wurde Jena eine „nationalsozialistische Musteruniversität“. Neben der Erbforschung und Rassenkunde lag ein Forschungsschwerpunkt in den „Wehrwissenschaften“. 1941 resümierte Astel, dass die Universität unter seinem Rektorat zur „ersten rasse- und lebensgesetzlich ausgerichteten Hochschule Großdeutschlands“ geworden sei.
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Am 14. April wurde Gera von den Amerikanern besetzt, nachdem es am Vortag noch zu einem militärischen Gefecht an der westlichen Stadtgrenze gekommen war.
Am 16. April hatte die US-Army ganz Thüringen besetzt und rückte nun weiter richtung Passau vor.
Nachdem die Lager befreit und die Städte besetzt waren, kamen Einheiten der Psychological Warfare Divison nach Thüringen. Unter ihnen auch Saul K. Padover, der feststellen sollte, wie die psychische Situation in den noch von Deutschland beherrschten Gebieten war, und wie sich die Bevölkerung gegenüber den Alliierten verhalten würde. Seine ersten Eindrücke vom Konzentrationslager Buchenwald beschrieb er in seinem, erst 1999 ins deutsche übersetzte, Werk „Experiment in Germany“ wie folgt:
Während ich die Karteikarten durchging, war mir, als berühre ich den Tod. Ich las die Namen von Männern und Frauen aller Nationen […]. Ihr einziges Verbrechen hatte darin bestanden, daß sie keine Deutschen waren. Die karten befanden sich in einer so tadellosen Ordnung, daß mir ei dem Gedanken an diese teuflische, kaltblütige Mordmaschinerie ein Schauder über den Rücke lief. Die deutschen Mörder waren solche Ordnungsfanatiker, daß sie diese Unterlagen nicht vernichteten, bevor sie die Flucht ergriffen. Deutsche denken sich nichts dabei, Menschen umzubringen, aber mit Dokumenten werden sie stets sorgsam und korrkt umgehen.

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